Wissenschaftlich fundiert

Die unsichtbare Entzündung, die Ihre Gesundheit bedroht

Silent Inflammation – eine chronische, unterschwellige Entzündung – bleibt oft jahrelang unentdeckt. Sie wird nicht nur mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs in Verbindung gebracht, sondern auch mit Brain Fog, Erschöpfung und vorzeitigem Altern.

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TNF-α IL-6 hs-CRP IL-1β

Akut vs. Silent –
zwei Gesichter der Entzündung

Die akute Entzündung schützt. Die stille Entzündung zerstört – langsam, unsichtbar und über Jahre hinweg.

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Akute Entzündung

Eine natürliche und notwendige Immunreaktion – sie schützt den Körper bei Verletzung und Infektion.

  • Sichtbar: Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerz
  • Kurzfristig – Minuten bis wenige Tage
  • Lokal begrenzt auf den betroffenen Bereich
  • Klingt ab, sobald die Heilung abgeschlossen ist
🔥

Silent Inflammation

Eine chronische, systemische Entzündung, die unbemerkt im Körper schwelt – oft über Jahre. Sie beeinflusst nicht nur Organe, sondern auch Gehirn und Psyche.

  • Unsichtbar: keine klassischen Symptome
  • Langfristig – Monate bis viele Jahre
  • Systemisch: betrifft den gesamten Organismus
  • Fördert Gewebeschäden und chronische Erkrankungen
  • Beeinflusst die Psyche: Brain Fog, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit, depressive Verstimmung
  • Beschleunigt die biologische Alterung (Inflammaging)

Biomarker – die messbaren
Spuren der stillen Entzündung

Moderne Labordiagnostik kann chronische Entzündungsprozesse aufdecken, bevor klinische Symptome auftreten.

hs-CRP
Hochsensitives C-reaktives Protein

Der am häufigsten verwendete Marker für systemische Entzündung. Wird in der Leber als Reaktion auf IL-6 produziert. Werte zwischen 1–3 mg/L gelten als erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, Werte über 3 mg/L als deutlich erhöht.

IL-6
Interleukin-6

Ein pro-inflammatorisches Zytokin, das bei der Signalübertragung zwischen Immunzellen eine zentrale Rolle spielt. Aktuelle Forschung zeigt, dass IL-6 über zwei Signalwege wirkt – nur einer ist spezifisch entzündungsfördernd.

TNF-α
Tumornekrosefaktor-alpha

Ein Schlüsselzytokin der frühen Entzündungskaskade, das Apoptose und Entzündungsreaktionen reguliert. Chronisch erhöhte TNF-α-Spiegel zeigen eine moderate Korrelation mit dem CRP-Wert (r=0,64).

Wissenschaftlicher Hinweis Aktuelle Forschung (2025) untersucht auch nicht-invasive Alternativen zur Blutentnahme: CRP-Werte könnten zukünftig über Speichel und Urin bestimmt werden – ein vielversprechender Ansatz für breiteres Screening und kontinuierliches Monitoring chronischer Entzündungen.

Was unkontrollierte stille
Entzündung anrichten kann

Chronische Inflammation wird zunehmend als gemeinsamer Nenner vieler Zivilisationskrankheiten erkannt.

🫀

Herz-Kreislauf

Atherosklerose ist ein pro-inflammatorischer Zustand. Erhöhte hs-CRP-Werte sind ein unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse.

🧬

Typ-2-Diabetes

Chronische Entzündung stört die Insulinsignalwege und fördert Insulinresistenz – ein zentraler Mechanismus der Diabetesentstehung.

🧠

Neurodegeneration

Neuroinflammation durch Zytokine wie IL-6 und TNF-α wird mit Alzheimer, Parkinson und chronischem Erschöpfungssyndrom assoziiert.

🔬

Krebserkrankungen

Niedriggradige chronische Entzündung beteiligt sich an der Entstehung verschiedener Tumorarten – von Darm- bis Bauchspeicheldrüsenkrebs.

😶‍🌫️

Psyche & Kognition

Entzündungsbotenstoffe beeinflussen den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn. Folgen: Brain Fog, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit und depressive Verstimmungen – oft ohne erkennbare äußere Ursache.

Vorzeitiges Altern

„Inflammaging" – die Verschmelzung von Inflammation und Aging: Chronische Entzündung beschleunigt die Zellalterung, verkürzt Telomere und fördert den Abbau von Kollagen, Muskel- und Knochensubstanz.

Wie hoch ist Ihr Risiko
für stille Entzündung?

Beantworten Sie 8 kurze Fragen zu Ihrem Lebensstil. Dieser Check ersetzt keine ärztliche Diagnostik, kann aber erste Hinweise geben.

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Punkte

Vier Säulen gegen
stille Entzündung

Forschung zeigt: Lebensstiländerungen können Entzündungsmarker signifikant senken – oft wirksamer als Medikamente.

01

Anti-inflammatorische Ernährung

Eine pflanzenbasierte, vielfältige Ernährung mit Gemüse (Brokkoli, Paprika, Kohl), Beeren, Kurkuma, Ingwer und Omega-3-Fettsäuren kann nachweislich Entzündungsmarker im Blut senken. Fermentierte Lebensmittel wie Kimchi und Kefir senkten in einer Studie 19 inflammatorische Proteine.

02

Regelmäßige Bewegung

Bereits 20 Minuten moderate Aktivität – etwa ein zügiger Spaziergang – haben eine messbare anti-inflammatorische Wirkung. Eine Meta-Analyse zeigte: Menschen, die Mindestempfehlungen erfüllten, senkten ihr Alzheimer-Risiko um 40 %.

03

Erholsamer Schlaf

7–9 Stunden Schlaf pro Nacht sind mit niedrigeren chronischen Entzündungswerten assoziiert. Schlafstörungen und Blaulichtexposition am Abend stören den zirkadianen Rhythmus und fördern inflammatorische Prozesse.

04

Stressregulation

Chronisch erhöhtes Cortisol wirkt pro-inflammatorisch und beeinträchtigt Darmpermeabilität sowie Hormonbalance. Yoga und Meditation erhöhen schützende anti-inflammatorische Biomarker und senken schädliche pro-inflammatorische Signalstoffe.

Lebensmittel, die stille
Entzündung bekämpfen

Pflanzliche Wirkstoffe wie Polyphenole, Flavonoide und Omega-3-Fettsäuren können inflammatorische Signalwege direkt beeinflussen – teilweise über dieselben Mechanismen wie pharmazeutische Entzündungshemmer.

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Kurkuma

Wirkstoff: Curcumin

Hemmt den Transkriptionsfaktor NF-κB (ein Protein, das Entzündungsgene im Zellkern „einschaltet") und unterdrückt die Aktivität des Enzyms COX-2 (Cyclooxygenase-2), das Schmerz- und Entzündungsbotenstoffe produziert. In klinischen Studien reduzierten sich Entzündungsschmerzen um 30–40 %.

Tipp: Kombination mit schwarzem Pfeffer (Piperin) erhöht die Bioverfügbarkeit um das 20-fache.

🐟

Fetter Fisch

Wirkstoff: EPA & DHA (Omega-3)

Omega-3-Fettsäuren aus Lachs, Makrele und Sardinen bilden sogenannte Resolvine und Protektine – körpereigene Stoffe, die Entzündungen aktiv auflösen. Sie unterdrücken dabei Prostaglandine und Leukotriene, zwei Gruppen von Botenstoffen, die Entzündung und Schmerz vermitteln.

Empfehlung: Mindestens 2 Portionen fetter Fisch pro Woche.

🫐

Beeren

Wirkstoff: Anthocyane & Polyphenole

Anthocyane – die Farbstoffe in Blaubeeren, Himbeeren und Brombeeren – neutralisieren sogenannte reaktive Sauerstoffspezies (ROS), aggressive Moleküle, die Zellen schädigen und den NF-κB-Entzündungsschalter aktivieren. Täglicher Beerenkonsum senkte in Studien den CRP-Wert messbar.

Besonders wirksam: Wildheidelbeeren (höchster Anthocyan-Gehalt).

🫚

Ingwer

Wirkstoff: Gingerole & Shogaole

Hemmen dieselben Entzündungsenzyme (COX und LOX) wie gängige Schmerzmittel (NSAIDs wie Ibuprofen) – nur auf pflanzlichem Weg. Bereits 1–3 g täglich reduzierten Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit in kontrollierten Studien.

Frisch gerieben in Tee, Smoothies oder Stir-Fry.

🥬

Grünes Blattgemüse

Wirkstoff: Carotinoide & Flavonoide

Brokkoli, Spinat und Grünkohl liefern konzentrierte Antioxidantien – darunter Quercetin, Lutein und Kaempferol – die oxidativen Stress reduzieren und multiple Entzündungskaskaden modulieren.

3 Handvoll Gemüse täglich – je bunter, desto breiter das Polyphenol-Spektrum.

🫒

Extra-natives Olivenöl

Wirkstoff: Oleocanthal

Der Pflanzenstoff Oleocanthal wirkt über einen ähnlichen Mechanismus wie Ibuprofen und hemmt die Entzündungsenzyme COX-1 und COX-2. Natives Olivenöl extra enthält zudem über 30 phenolische Verbindungen (pflanzliche Schutzstoffe) mit antioxidativer Wirkung.

Kaltgepresst verwenden – Hitze zerstört die Phenole.

🥜

Walnüsse

Wirkstoff: ALA, Vitamin E, Polyphenole

Regelmäßiger Nusskonsum ist mit 35 % niedrigeren Entzündungsmarkern assoziiert. Der Mechanismus kombiniert einfach ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E und Polyphenole, die unterschiedliche inflammatorische Signalwege hemmen.

Eine Handvoll (30 g) täglich reicht für den Effekt.

🍵

Grüner Tee

Wirkstoff: EGCG (Epigallocatechingallat)

EGCG aktiviert den Nrf2-Signalweg – das körpereigene „Schutzprogramm", das antioxidative Enzyme hochfährt – und hemmt die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine). Zusätzlich schützt es zelluläre Abwehrenzyme unter oxidativem Stress.

2–3 Tassen täglich, nicht zu heiß aufgießen (70–80 °C).

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Fermentierte Lebensmittel

Wirkstoff: Probiotische Kulturen

Kimchi, Kefir, Sauerkraut und Kombucha modulieren das Darmmikrobiom und stärken die Darmbarriere. In einer Stanford-Studie senkte ein 10-wöchiger Konsum die Spiegel von 19 inflammatorischen Proteinen signifikant.

Täglich eine Portion fermentiertes Lebensmittel einbauen.

Was befeuert, was löscht –
der direkte Vergleich

Nicht nur was Sie essen, sondern auch was Sie weglassen, beeinflusst Ihre Entzündungswerte.

Anti-inflammatorisch

✓ Diese Lebensmittel senken Entzündungsmarker
Fetter Fisch (Lachs, Makrele) Omega-3 → bildet Resolvine (entzündungsauflösende Stoffe)
Beeren & buntes Gemüse Pflanzenfarbstoffe fangen aggressive Sauerstoffmoleküle ab
Vollkornprodukte & Hülsenfrüchte Ballaststoffe → kurzkettige Fettsäuren (SCFA) → stärken Darmbarriere
Natives Olivenöl extra Oleocanthal → hemmt COX-1/COX-2 (wie Ibuprofen)
Kurkuma & Ingwer Pflanzenstoffe hemmen Entzündungsenzyme (COX-2, LOX) & NF-κB
Fermentierte Lebensmittel Probiotische Kulturen → Mikrobiom-Balance → weniger Endotoxine
VS

Pro-inflammatorisch

✗ Diese Lebensmittel erhöhen Entzündungsmarker
Zucker & raffinierte Kohlenhydrate Blutzuckerspitzen → oxidativer Stress → aktiviert Entzündungsgene
Trans- & industrielle Fette Steigern entzündungsfördernde Botenstoffe & oxidativen Stress
Verarbeitetes Fleisch Konservierungsstoffe & gesättigte Fette aktivieren Immunrezeptoren
Omega-6-Überschuss (Pflanzenöle) Ungleichgewicht Omega-6:3 → verstärkt entzündungsfördernde Fettsäuren
Ultra-verarbeitete Lebensmittel Stören Darmflora → durchlässigere Darmwand → Immunreaktion
Alkohol (regelmäßig/exzessiv) Belastet Leber, stört Organinteraktion, fördert Entzündungsreaktion

Was stille Entzündung
auslöst und unterhält

Silent Inflammation ist selten monokausal – meist wirken mehrere Faktoren zusammen und verstärken sich gegenseitig.

🍩

Westliches Ernährungsmuster

Hoher Anteil an Zucker, gesättigten Fetten, raffinierten Kohlenhydraten und ultra-verarbeiteten Lebensmitteln – assoziiert mit erhöhten CRP- und IL-6-Spiegeln.

🛋️

Bewegungsmangel

Fehlende körperliche Aktivität unterdrückt die Ausschüttung von Myokinen (entzündungshemmende Botenstoffe, die Muskeln bei Bewegung freisetzen) und begünstigt die Bildung von entzündungsförderndem Bauchfett.

😰

Chronischer Stress

Dauerhaft erhöhtes Cortisol beeinträchtigt die Fähigkeit des Körpers, Entzündungsreaktionen zu regulieren, und erhöht die Darmpermeabilität (Leaky Gut).

😴

Schlafmangel

Weniger als 7 Stunden Schlaf stören den zirkadianen Rhythmus und führen zu einer Hochregulation pro-inflammatorischer Gene und Zytokine wie IL-6 und TNF-α.

⚖️

Viszerales Übergewicht

Bauchfett ist metabolisch aktives Gewebe, das kontinuierlich entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) und Adipokine (hormonähnliche Signalstoffe aus Fettgewebe) freisetzt – ein eigenständiger Entzündungsherd im Körper.

🏭

Umwelttoxine & Rauchen

Luftschadstoffe, Pestizide, Schwermetalle und Tabakrauch aktivieren das Immunsystem direkt und können chronische Entzündungsprozesse anstoßen.

Teufelskreis: Diese Faktoren verstärken sich gegenseitig – Schlafmangel erhöht Stress, Stress fördert ungesundes Essverhalten, schlechte Ernährung stört den Schlaf. Den Kreislauf an einem Punkt zu durchbrechen, wirkt sich positiv auf alle anderen aus.

Ein anti-inflammatorischer Tag –
von morgens bis abends

Kein strikter Plan, sondern eine Inspiration – wie ein Tag aussehen könnte, der Entzündungsprozesse aktiv reduziert.

07:00
Morgenroutine

Sanfter Start mit Bewegung & Licht

10 Minuten Stretching oder leichtes Yoga. Tageslicht-Exposition in den ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen stabilisiert den zirkadianen Rhythmus und reguliert Cortisol.

07:30
Frühstück

Beeren-Porridge mit Walnüssen & Kurkuma

Haferflocken (Ballaststoffe, die im Darm zu schützenden kurzkettigen Fettsäuren vergoren werden), Blaubeeren (Anthocyane), Walnüsse (Omega-3 & Polyphenole), eine Prise Kurkuma mit schwarzem Pfeffer, dazu grüner Tee.

10:00
Snack

Gemüsesticks mit Hummus

Karotten, Paprika, Gurke – liefern Carotinoide und Vitamin C. Kichererbsen im Hummus bringen pflanzliches Protein und Ballaststoffe.

12:30
Mittagessen

Mediterraner Lachs-Bowl

Wildlachs (EPA/DHA), Quinoa (komplexe Kohlenhydrate), Spinat, Avocado, Kirschtomaten, natives Olivenöl extra mit Zitrone. Reich an Omega-3, Oleocanthal und Flavonoiden.

15:00
Bewegung

20–30 Min. zügiger Spaziergang

Moderate Bewegung am Nachmittag – senkt nachweislich inflammatorische Marker und verbessert die Insulinsensitivität. Idealerweise an der frischen Luft.

18:30
Abendessen

Gemüsecurry mit Ingwer & fermentierter Beilage

Brokkoli, Süßkartoffel, Kichererbsen in Kurkuma-Ingwer-Kokosmilch-Sauce. Dazu eine Portion Kimchi oder Sauerkraut für das Mikrobiom. Vollkornreis als Basis.

20:30
Entspannung

Digital Detox & Atemübung

Blaulichtfilter aktivieren oder Bildschirme meiden. 5–10 Minuten Box-Breathing (4-4-4-4) oder geführte Meditation zur Cortisol-Regulation.

22:00
Schlaf

7–9 Stunden erholsame Nachtruhe

Kühles, dunkles Schlafzimmer (16–18 °C). Regelmäßige Schlafenszeit unterstützt den zirkadianen Rhythmus und die nächtliche Entzündungsregulation des Körpers.

Was Sie über Silent
Inflammation wissen sollten

Die wichtigsten Fragen – wissenschaftlich fundiert beantwortet.

Ja. Der wichtigste Test ist das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) – ein einfacher Bluttest, der in jeder Hausarztpraxis durchführbar ist. Werte unter 1 mg/L gelten als niedrig, 1–3 mg/L als moderat erhöht, über 3 mg/L als hoch. Für eine differenziertere Analyse können zusätzlich IL-6 und TNF-α bestimmt werden, was allerdings aufwändiger und teurer ist. Sprechen Sie Ihren Arzt gezielt auf eine hs-CRP-Bestimmung an.

CRP und andere Entzündungsmarker können innerhalb von 4–8 Wochen auf konsistente Ernährungsänderungen reagieren. Messbare Reduktionen des hs-CRP sind typischerweise nach 2–3 Monaten nachhaltiger Umstellung nachweisbar. Eine Studie zeigte, dass der Wechsel von raffinierten zu Vollkornprodukten den CRP-Wert um 25–30 % senken kann. Das Tempo ist individuell und hängt von den Ausgangswerten ab.

In vielen Fällen ja – und das ist die gute Nachricht. Da stille Entzündung stark von Lebensstilfaktoren beeinflusst wird, lässt sie sich durch gezielte Veränderungen in Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement oft deutlich reduzieren. Gewichtsreduktion allein hat in Studien bereits klinisch signifikante Verbesserungen der Entzündungsaktivität gezeigt. Je früher die Intervention, desto besser die Chancen, bevor irreversible Gewebeschäden entstehen.

Eine zentrale. Eine ballaststoffarme, ultra-verarbeitete Ernährung stört das Gleichgewicht der Darmbakterien (Dysbiose) und reduziert die Produktion anti-inflammatorischer kurzkettiger Fettsäuren (SCFA). Dies kann die Darmpermeabilität erhöhen – ein Zustand, bei dem bakterielle Fragmente in den Blutkreislauf gelangen und eine chronische Immunreaktion auslösen. Fermentierte Lebensmittel und ballaststoffreiche Kost können dieses Gleichgewicht wiederherstellen.

Die stärkste Evidenz besteht für Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA), Curcumin und Vitamin D. Supplements sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Zufuhr über die Ernährung nicht ausreicht – etwa bei Omega-3 und Vitamin D – oder wenn therapeutische Dosierungen benötigt werden. Grundsätzlich ist eine anti-inflammatorische Ernährung die Basis; Supplements können Lücken füllen, aber keine schlechte Ernährung kompensieren. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrem Arzt.

Ja, grundlegend. Bei Autoimmunerkrankungen (Rheuma, Lupus, MS) greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe gezielt an – das ist eine spezifische, oft hochgradige Entzündung. Silent Inflammation hingegen ist eine unspezifische, niedriggradige systemische Entzündung, die unterhalb der klinischen Wahrnehmungsschwelle liegt. Allerdings kann chronische stille Entzündung in manchen Fällen das Risiko für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen erhöhen.

Stärker als viele vermuten. Entzündungsbotenstoffe wie TNF-α und IL-1β können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Die Folgen sind oft diffus und werden selten mit Entzündung in Verbindung gebracht: Brain Fog (geistige Trägheit, Konzentrationsprobleme), anhaltende Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit und depressive Verstimmungen. Die Forschung zeigt eine bidirektionale Verbindung – Stress fördert Entzündung, und Entzündung verstärkt psychische Symptome. Anti-inflammatorische Ernährungs- und Lebensstilmaßnahmen können nachweislich auch die psychische Befindlichkeit verbessern.

Fachbegriffe
verständlich erklärt

Alle wichtigen Begriffe dieser Seite auf einen Blick – alphabetisch sortiert.

Adipokine
Hormonähnliche Signalstoffe, die vom Fettgewebe produziert werden. Einige fördern Entzündung (z.B. Leptin in hohen Mengen), andere hemmen sie (z.B. Adiponektin). Je mehr Bauchfett, desto mehr entzündungsfördernde Adipokine.
AGEs Advanced Glycation End Products
Schädliche Verbindungen, die entstehen, wenn Zucker im Blut mit Proteinen oder Fetten reagiert – sowohl im Körper als auch beim Erhitzen von Lebensmitteln. Sie aktivieren Entzündungsrezeptoren und beschleunigen die Zellalterung.
Anthocyane
Natürliche Pflanzenfarbstoffe, die Beeren, Rotkohl und Trauben ihre blau-violette Farbe geben. Sie wirken als starke Antioxidantien und können Entzündungsprozesse hemmen.
Biomarker
Messbare biologische Kennwerte (z.B. Blutwerte), die auf einen bestimmten Zustand im Körper hinweisen – hier: auf das Ausmaß einer Entzündung. Wichtige Entzündungs-Biomarker sind hs-CRP, IL-6 und TNF-α.
Brain Fog
„Gehirnnebel" – ein Zustand verminderter geistiger Klarheit mit Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit und verlangsamtem Denken. Kann durch entzündungsfördernde Zytokine ausgelöst werden, die den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn stören.
COX-1 / COX-2 Cyclooxygenase
Enzyme, die Prostaglandine herstellen – Botenstoffe, die Schmerz, Fieber und Entzündung vermitteln. Schmerzmittel wie Ibuprofen und einige Pflanzenstoffe (Curcumin, Oleocanthal) hemmen diese Enzyme.
CRP / hs-CRP C-reaktives Protein
Ein Eiweiß, das die Leber bei Entzündungen vermehrt produziert. Die hochsensitive Variante (hs-CRP) kann auch niedriggradige, stille Entzündungen erfassen. Standardtest beim Hausarzt.
Curcumin
Der aktive Wirkstoff in der Kurkumawurzel. Hemmt den Entzündungsschalter NF-κB und die Enzyme COX-2 und LOX. Wird vom Körper schlecht aufgenommen, außer in Kombination mit Piperin (schwarzer Pfeffer).
Dysbiose
Ein Ungleichgewicht der Bakteriengemeinschaft im Darm. Zu wenig „gute" Bakterien und zu viele potenziell schädliche führen zu einer geschwächten Darmbarriere und können systemische Entzündungen auslösen.
EGCG Epigallocatechingallat
Der wichtigste Polyphenol-Wirkstoff im grünen Tee. Aktiviert das körpereigene Schutzprogramm Nrf2 und hemmt entzündungsfördernde Zytokine.
EPA / DHA
Zwei Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch (Lachs, Makrele, Sardinen). Der Körper wandelt sie in Resolvine und Protektine um – Stoffe, die aktiv Entzündungen auflösen.
IL-6 Interleukin-6
Ein Zytokin (Immunbotenstoff), das die Leber zur CRP-Produktion anregt. Wirkt je nach Signalweg sowohl entzündungsfördernd als auch entzündungsregulierend. Erhöhte Dauerwerte gelten als Risikosignal.
Inflammaging
Kunstwort aus „Inflammation" (Entzündung) und „Aging" (Altern). Beschreibt das Phänomen, dass chronische niedriggradige Entzündung den biologischen Alterungsprozess beschleunigt – durch Telomerverkürzung, Kollagenabbau und Gewebeschädigung. Ein zentrales Konzept der modernen Altersforschung.
Leukotriene
Entzündungsbotenstoffe, die vom Enzym LOX aus Fettsäuren hergestellt werden. Sie spielen bei allergischen Reaktionen, Asthma und chronischer Entzündung eine Rolle.
LOX Lipoxygenase
Ein Enzym, das – ähnlich wie COX – entzündungsfördernde Botenstoffe (Leukotriene) produziert. Wird u.a. durch Ingwer und Boswellia (Weihrauch) gehemmt.
Myokine
Botenstoffe, die von Muskelzellen während körperlicher Aktivität freigesetzt werden. Viele Myokine wirken entzündungshemmend – ein Grund, warum Bewegung gegen stille Entzündung hilft.
NF-κB Nukleärer Faktor kappa B
Ein Protein im Zellkern, das als zentraler „Schalter" für Entzündungsgene fungiert. Wird es aktiviert, schaltet die Zelle Hunderte von Genen ein, die Entzündung fördern. Viele anti-inflammatorische Wirkstoffe (Curcumin, EGCG, Omega-3) hemmen diesen Schalter.
Nrf2 Nuclear Factor Erythroid 2
Ein Schutzprotein, das die körpereigene Antioxidantien-Produktion steuert. Wenn aktiviert, fährt die Zelle ihre Abwehr gegen oxidativen Stress hoch. Wird u.a. durch Polyphenole aus grünem Tee und Brokkoli aktiviert.
Oleocanthal
Ein Pflanzenstoff in nativem Olivenöl extra, der die gleichen Entzündungsenzyme hemmt wie Ibuprofen (COX-1 und COX-2). Verantwortlich für das leichte Kratzen im Hals bei hochwertigem Olivenöl.
Oxidativer Stress
Ein Zustand, bei dem zu viele aggressive Sauerstoffmoleküle (ROS) im Körper vorhanden sind und Zellen, Proteine und DNA schädigen. Fördert Entzündung und beschleunigt Alterungsprozesse.
Polyphenole
Eine große Gruppe pflanzlicher Schutzstoffe (über 8.000 bekannt), die in Beeren, Tee, Olivenöl, Nüssen und Gewürzen vorkommen. Wirken antioxidativ und entzündungshemmend über verschiedene Signalwege.
Prostaglandine
Gewebshormone, die von den Enzymen COX-1/COX-2 aus Fettsäuren hergestellt werden. Sie regulieren Entzündung, Schmerz, Fieber und Durchblutung. Schmerzmittel wie Aspirin blockieren ihre Produktion.
Resolvine & Protektine
Körpereigene Botenstoffe, die aus Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) gebildet werden. Sie lösen Entzündungen aktiv auf – im Gegensatz zu Schmerzmitteln, die Entzündung nur unterdrücken.
ROS Reactive Oxygen Species
Reaktive Sauerstoffspezies – aggressive Moleküle, die bei Stoffwechselprozessen entstehen. In normaler Menge nützlich (Immunabwehr), in Überschuss schädlich: Sie lösen oxidativen Stress und Entzündungskaskaden aus.
SCFA Short-Chain Fatty Acids
Kurzkettige Fettsäuren (z.B. Butyrat), die entstehen, wenn Darmbakterien Ballaststoffe fermentieren. Sie nähren die Darmschleimhaut, stärken die Darmbarriere und wirken entzündungshemmend.
TNF-α Tumornekrosefaktor-alpha
Einer der wichtigsten entzündungsfördernden Immunbotenstoffe. Wird von Immunzellen ausgeschüttet und löst Kettenreaktionen aus, die Entzündung verstärken. Chronisch erhöhte Werte deuten auf stille Entzündung hin.
Zytokine
Sammelbegriff für kleine Signalproteine, über die Immunzellen miteinander kommunizieren. Es gibt entzündungsfördernde (z.B. IL-6, TNF-α, IL-1β) und entzündungshemmende (z.B. IL-10) Zytokine.

Wissen ist der erste Schritt
zur Prävention

Stille Entzündung ist kein Schicksal – sie ist durch bewusste Lebensstilentscheidungen beeinflussbar. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine hs-CRP-Bestimmung und beginnen Sie heute mit kleinen Veränderungen.

Symptom-Check wiederholen